Dossiers

Kurzbeschreibung

Die Teilnehmenden besprechen und bewerten Akteure im rechtsextremen HipHop und analysieren Sprache, Symbolik und Gestus der Songs mit Blick auf die diskriminierenden und autoritären Einstellungen, die diesen zu Grunde liegen.

Ziel

Kenntnis über die Aneignung der HipHop-Kultur durch neue Rechte erlangen; Fähigkeit entwickeln, menschenverachtende Sprachbilder und Semantik im Rechts-Rap zu erkennen und zu bewerten

Altersgruppe

ab 14 Jahren

Dauer

80 Minuten

Ablauf und Methoden

  • 20 Minuten – Einführung „HipHop- und Jugendkultur“
  • 60 Minuten – Hauptteil „HipHop und neu-rechte Akteure“

 

Vorbereitung

Hintergrund

Die verlinkten Inhalte bieten einen ersten Einblick in die Themenfeld, stellen aber keine systematische Aufbereitung des Themas dar. Da das in der Lerneinheit behandelte Phänomen sehr dynamisch ist, kann es sein das Quellen schnell veralten und entsprechende Inhalte im Netz nicht mehr abrufbar sind.

Die Lerneinheit „HipHop in der Neuen Rechten“ behandelt ein sehr spezifisches Thema. Da zur Einordnung dieses Themas in den Gesamtzusammenhang popkultureller und politischer Phänomene ein fundiertes Grundlagenwissen zu Ursprung und Praxis der HipHop-Kultur notwendig ist, empfehlen wir vor allem denjenigen Teamenden eine Durchführung der Lerneinheit, die sich aufgrund ihres Hintergrundwissens oder ihrer Interessen hierzu gut vorbereitet fühlen. Natürlich lassen sich die benannten Hintergründe auch durch Personen mit anderem Interessen erschließen. Diese sollten allerdings genug Zeit zur Einarbeitung ins Thema einplanen oder die Lerneinheit gemeinsam mit einer Person durchführen, die im Thema HipHop-Kultur bewandert ist.

Technik

Die Vorstellung der Videos beziehungsweise Songs im Plenum erfordert den Download der Videos/Songs  oder eine gute Internetverbindung sowie Beamer, Leinwand und gute Boxen (mit Bass).

  • Präsentationsrechner
  • 1 Beamer (plus Adapter) / Smartboard
  • Boxen (plus Kabel)
  • Internet / W-LAN

Material

Die zur Verfügung gestellte Beispiel- und Quellenmaterialien sollten als Video- und Audiodateien lokal auf dem Präsentationsrechner abgelegt und von dort präsentiert werden. Dieses Vorgehen bietet sich an, wenn den Teilnehmenden durch die Methode keine “Blacklist” rechtsextremer Musikvideos zur Verfügung gestellt werden soll.

Die rechtsextremen Inhalte, die in der Lerneinheit verwendet werden, sind nicht direkt verlinkt. Auf Anfrage schicken wir gerne ein Passwort zu, um diese zugänglich zu machen.

Hinweis: Grundlegend sind wir als Autorinnen dieses freien Bildungsmaterials der Auffassung, dass eine leicht verfügbare Auflistung rechtsextremer Inhalte in unserer Publikation nichts verloren hat. Wir sind davon überzeugt, dass die kritische Abwägung von Bildungszielen, Materialien und Methoden durch die politische Bildner*innen selbst unternommen werden sollte und bestenfalls vor der Lerngruppe transparent gemacht werden kann.

Durchführung

Einführung „HipHop- und Jugendkultur“

Abfrage (Plenum)

Nach Begrüßung und Vorstellungsrunde beginnt die Lerneinheit mit einer aktivierenden Zurufabfrage, die hilft Interessen, Vorwissen und einige Einstellungen zum Thema in der Lerngruppe zu identifizieren. Folgende Impulsfragen bieten sich zur Einleitung des Themas an:

  • Wer von euch hört Rap?
  • Was hört ihr so?
  • Denkt ihr, dass Rap manchmal diskriminierend ist?
  • Wenn ja, wer wird häufig diskriminiert oder abgewertet?

Die Teilnehmenden sollte bewusst werden, dass diskriminierende Einstellungen auch im Mainstream-Rap verbreitet sind (z.B. Frauen, Schwule, allgemein alles „unmännliche“ und  Juden, Behinderte etc.). Eine Vertiefung zu Erscheinungsformen und Wirkweisen diskriminierender Einstellungen kann durch die Methode „Was ist Diskriminierung?“ vorgenommen werden.

Überleitung/Einordnung (Plenum)

An dieser Stelle wird durch die Teamenden eine Überleitung zum rechtsextremem Rap hergestellt. Grundannahme dafür ist, dass rechtsextreme Akteure leicht an das Menschenbild mancher Rapper (auch im Deutschrap) anschließen können und deren Reichweite gezielt nutzen, um deren Einstellungen zuzuspitzen und für die eigene Agenda einzusetzen. Häufig adressierte Themen wie Männlichkeit, Recht des Stärkeren, Härte, Ehre, Antisemitismus, Homofeindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit (Ableism) bieten für diese Strategie eine fruchtbare Grundlage.

Beim Input sollte darauf geachtet werden, eine Einordnung und Erklärung zur Entstehung und Herkunft der Hip-Hop-Kultur vorzunehmen (Bürgerrechtsbewegungen USA, Black Power Movement etc.), wodurch der Widerspruch, den Aneignung durch die neue Rechte erzeugt, deutlich wird. Dieser Widerspruch besteht vor allem in dem Gegensatz von Emanzipation/Empowerment und der ausgrenzenden Ideologie der Ungleichwertigkeit.

Abfrage und Diskussion (Plenum)

Über eine offene Diskussionsrunde wird gemeinsam mit den Teilnehmenden überlegt, warum es der Neuen Rechten leicht fällt, mit Rap Jugendliche zu erreichen, die politisch nicht gefestigt sind. Es können Vermutungen angestellt und Beispiele gebracht werden, die illustrieren, warum HipHop ein gutes Medium ist, um junge Menschen zu erreichen und mitzureißen. Die Arbeitsfrage lautet: Wieso ist HipHop so populär und anschlussfähig?

Die Antworten der Teilnehmenden sollten notiert und gesammelt und für im Laufe der Lerneinheit sichtbar auf einem Plakat oder der Tafel gehalten werden. Mögliche Antworten, die die Frage in einem ersten Schritt klären und im weiteren Verlauf aufgegriffen werden sollten, könnten sein: Coolness, Style, Sprache, Beats, Wahrnehmung, Vorbilder und Konsum.

Hauptteil „HipHop und neu-rechte Akteure“

Zusammenfassung (Plenum)

Es folgt die Überleitung zum Hauptteil der Lerneinheit durch eine Zusammenfassung des Besprochenen und ggf. durch einen vorbereiteten Input, der folgende Aspekte aufgreifen sollte:

  • HipHop ist eine attraktive und (aktuell) bedeutende Jugendkultur.
  • Sie wird von neu-rechten Akteure angeeignet, um Jugendliche zu beeinflussen.
  • Es werden verschiedene Strategien verfolgt, wie:
    • Erlangung kultureller Hegemonie,
    • Verschiebung des Sagbaren,
    • Normalisierung bestimmter Vokabeln und Diskurse,
    • Etablierung eines „vorpolitischen Raums“.
  • Neu-rechter HipHop ist inhaltlich anschlussfähig an in der Szene bereits vorhandene diskriminierende Einstellungen.

Präsentation und Feedback am Beispiel (Plenum)

Nach der Zusammenfassung durch die Teamenden wird zu konkreten Beispielen aus der neu-rechten HipHop-Szene übergeleitet, anhand derer Auftreten und Wortwahl genauer untersucht werden sollen. Um einen ersten Eindruck vom Auftreten und der Musik eines rechtsextremen Rappers zu bekommen kann das Video „Europa“ des Rappers Patrick Uli Bass alias Komplott gezeigt werden. Im Anschluss an die Präsentation gibt es ein kurzes Feedback der Teilnehmenden zu Stimmung, Auftreten sowie eine musikalische Einschätzung der „Skillz“ des Akteurs.

Nach dem ersten Beispiel bietet sich ein Input als Übersicht zu rechtsextremen Akteur*innen im HipHop an. Alternativ können die Teilnehmenden in Kleingruppen zu den mehr oder weniger bekannten rechtsextremen Rappern recherchieren und diese im Anschluss im Plenum vorstellen. Die Übersicht zu „Rechtsextremen Akteure im HipHop“ sowie die Beispielvideos können auf Anfrage durch die Projektleitung von AntiAnti bereitgestellt werden (s.o. Hinweis zur Auflistung rechtsextremer Inhalte).

Übersicht „Rechtsextreme Akteure im HipHop“

Die rechtsextremen Inhalte, die in der Lerneinheit verwendet werden, sind nicht direkt verlinkt. Auf Anfrage schicken wir gerne ein Passwort zu, um diese zugänglich zu machen. Die Videos sind dann hier zugänglich.

Bullshitbingo (Plenum)

Um Wortwahl, wiederkehrende Inhalte und Ideologie rechtsextremer Rapper identifizieren zu können, bietet der folgende Teil der Lerneinheit den Teilnehmenden ein spielerische Methode auf dem Grundprinzip von „Bingo“. Alle Teilnehmenden erhalten das Arbeitsblatt „Bullshitbingo“ (siehe Material) und Stifte. Zunächst lesen alle Spielenden die Begriffe, dann beginnt das Bullshitbingo. Die Teilnehmenden hören die ersten 45 Sekunden von 3–4 verschiedenen Songs des Rechtsrap. Wird ein Begriff in den Songtexten erwähnt, kann dieser abgestrichen werden. Wer 4 nebeneinander oder untereinander stehende Begriffe abgestrichen hat, steht auf und schreit laut „Bullshit!“

Im Anschluss an das Spiel behandeln die Teilnehmenden in Kleingruppen die Bedeutung einzelner Begriffe. Jede Gruppe beschäftigt sich mit einem Begriff vom Arbeitsblatt „Bullshitbingo“. Dabei geben ihnen folgende Fragen Orientierung:

  1. Was bedeutet das Wort? Warum könnte es eine rechte Bedeutung haben?
  2. Wozu sollen jugendliche Hörer*innen motiviert werden?
  3. Welche Wirkung hat das auf von rechtsextremer Diskriminierung Betroffene?

Option Textarbeit (Gruppenarbeit)

Alternativ kann die Auseinandersetzung mit Wortwahl und Ideologie rechtsextremer Rapper auch über die Analyse der Songtexte der oben genannten Songs (siehe Material: Songtexte „Rechts-Rap“) hergestellt werden. Dieses Vorgehen bietet sich an, wenn die technische Ausstattung etwas anderes nicht zulässt oder wenn die Lerngruppe vielleicht nur schwer eine kritische Distanz zu Arrangement und Inszenierung der Songs aufbauen kann. Auch hierbei geben die genannten Fragen Orientierung:

  1. Was bedeutet das Wort? Warum könnte es eine rechte Bedeutung haben?
  2. Wozu sollen jugendliche Hörer*innen motiviert werden?
  3. Welche Wirkung hat das auf Betroffene?

Zusammenfassung/Input (Plenum)

Die Lerneinheit schließt mit einer Zusammenfassung der behandelten Inhalte und einer Einordnung und Perspektive auf die fatalen Konsequenzen, die eine Radikalisierung durch rechtsextreme Inhalte nach sich ziehen kann. Hierbei sind etwa die Hinweise angebracht, dass Nazirap Mordphantasien und Aufrufe zur Gewalt beinhaltet und Verschwörungsdenken bestärken kann. Sie liefern den „Soundtrack“ zu rechtsextremen Gewaltverbrechen.

Anschlüsse und Varianten

Gerade die Themen Antisemitismus und Verschwörungsideologien bieten sich im Anschluss oder zur Erweiterung der Lerneinheit an. Gerade die Diskussionen um antisemitische Einstellungen im Mainstream-Deutschrap können hierbei einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Text- und Videoanalysen der Rapper Kollegah („Armaggedon“) oder Haftbefehl („Hang the bankers“) können hier ebenso Gegenstand der Betrachtung sein wie die Diskussion um die Echo-Verleihung. Die WDR-Doku „Gibt es Antisemitismus im deutschen Rap?“ bietet zu diesem Thema vielseitige Perspektiven; HipHop-Akteure, Wissenschaft und jugendliches Publikum kommen zu Wort und helfen bei der Einordnung der infrage stehenden Songs.